Tocopherol

Synonyme: Vitamin E

Tocopherol bezeichnet eine Gruppe fettlöslicher Vitamine mit unterschiedlicher Vitamin-E-Aktivität. Die aktivste und am häufigsten vorkommende Verbindung ist Alpha-Tocopherol, zusätzlich kommen in der Natur auch Beta-, Gamma- und Delta-Tocopherol vor. Entscheidend für die Wirkung der Vitamine ist nicht die aufgenommene Menge, sondern die Art der Verbindung. Natürliches Tocopherol wird mit RRR-Alpha-Tocopherol angegeben. Zur Vergleichbarkeit der Verbindungen wurde die Tocopherol-Äquivalente eingeführt: 1mg RRR-Alpha-Tocopherol-Äquivalent = 1 mg RRR-α-Tocopherol = 1,49 Internationale Einheiten (IE). Aufgrund seiner antioxidativen Wirkung schützt Tocopherol oxidationsempfindliche Strukturen und Stoffe im Körper vor der Schädigung durch freie Radikale. Gemäß mehrerer Untersuchungen soll Tocopherol einer Entstehung von Tumorzellen entgegenwirken. Darüber hinaus ist es für den Schutz von roten Blutkörperchen sowie von Zellen des Nervensystems und der Skelettmuskulatur von großer Bedeutung. Als natürlicher Blutverdünner senkt es das Thrombose-Risiko.

Vorkommen von Tocopherol

Tocopherol kommt in tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln vor. Synthetisieren können es jedoch nur Pflanzen. Vor allem Keime und Samen höherer Pflanzen enthalten das Vitamin, weshalb Samen- und Keimöle besonders reich an Tocopherol sind. Erdnüsse, Mandeln sowie einige Gemüse- und Getreidearten zählen zu den wichtigen Lieferanten. Nachstehende Lebensmittel enthalten folgende Mengen an Tocopherol:

  • Sonnenblumensamen: 21 Milligramm/100 Gramm
  • Weizenkeime: 12 Milligramm/100 Gramm 
  • Süße Kartoffeln: 7 Milligramm/100 Gramm
  • Distelöl: 3,5 Milligramm/100 Gramm
  • Garnele: 3,5 Milligramm/100 Gramm
  • Hühnerei: 0,4 Milligramm/100 Gramm

Das fettlösliche Vitamin E kommt in größeren Mengen in Pflanzenölen vor. Kaltgepresste Öle sollten kühl, lichtgeschützt und trocken in einer fest verschlossenen Flasche gelagert werden. So sind sie einige Wochen bis Monate haltbar.

Bedarf an Tocopherol

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt je nach Alter und Geschlecht folgende Richtwerte für die tägliche Vitamin-E-Zufuhr (Angabe mit Tocopherol-Äquivalent):

  • Säuglinge (0–12 Monate): 3–4
  • Kinder (1–15 Jahre): 5–12
  • Jugendliche und Erwachsene (ab 15 Jahren): 11–15
  • Schwangere: 13
  • Stillende: 17

Damit das fettlösliche Vitamin vom Körper aufgenommen werden kann, sollten über die Nahrung gleichzeitig Fette zugeführt werden. Langkettige, ungesättigte Fettsäuren beeinträchtigen die Vitamin-E-Aufnahme, Nahrungscholesterin begünstigt diese.

Anzeichen von Tocopherol-Mangel

Ein dauerhafter Mangel an Tocopherol kann zum Zerfall der Herzmuskelzellen führen. Auch die Muskeln verlieren an Kraft und Größe. Die Neuronen in den Nervensträngen und im Rückenmark können entarten. Darüber hinaus wird die Zellwandstärke der roten Blutkörperchen geschwächt, sodass die Zellen zerstört werden. Dies bedingt schließlich eine Anämie.

Ursachen von Tocopherol-Mangel:

  • Bei der modernen Herstellung vieler Lebensmittel wird Tocopherol zerstört. Bei der Gewinnung von Weizenmehl aus Vollkornmehl beispielsweise geht beinahe das gesamte Tocopherol verloren. Zusätzlich steigt der Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in der modernen Kost. Dies führt dazu, dass viele Menschen ihren täglichen Bedarf an Tocopherol nicht über die Nahrung decken. Vielmehr nimmt er bei vielen Menschen zu, da sich mit steigender Menge an ungesättigten Fettsäuren auch der Bedarf an Tocopherol erhöht. Grund hierfür ist die natürliche Aufgabe von Tocopherol, ungesättigte Fettsäuren vor freien Radikalen zu schützen.
  • Aufgrund von Umweltentwicklungen steigt der Oxidationsstress auf den menschlichen Körper. Dies bewirken beispielsweise die zunehmende Luft- und Wasserverschmutzung sowie Pestizide und chemische Zusatzstoffe in unseren Nahrungsmitteln.
  • Vitamin C und Selen können oxidiertes Tocopherol wiederherstellen, sodass es den Zellen erneut zur Verfügung steht. Ein Mangel an Vitamin C beziehungsweise Selen erhöht daher deutlich den Vitamin-E-Bedarf und trägt zu einem Mangel bei.
  • Menschen mit einer gestörten Fettaufnahme können Tocopherol nur schlecht aufnehmen.
  • Neugeborene können Fett nur schlecht aufnehmen und verfügen bei der Geburt nur über niedrige Mengen an Tocopherol.
  • Bei Rauchern, Menschen mit erhöhtem Alkoholkonsum sowie Leistungssportlern besteht ein erhöhter oxidativer Stress.

Tocopherol als Nahrungsergänzungsmittel

Vitamin-E-haltige Nahrungsergänzungsmittel eignen sich für alle Menschen, die Anzeichen eines Vitamin-E-Mangels aufweisen. Die Einsatzgebiete zur therapeutischen Anwendung von Tocopherol sind vielfältig. Diabetes-Patienten können von einer präventiven Einnahme profitieren, um das Risiko für Folgeerkrankungen an Augen, Gefäßen oder Nerven zu mindern. Die zusätzliche Versorgung von Tocopherol über Nahrungsergänzungsmittel sollten sie jedoch zuvor mit ihrem Arzt besprechen, da das Vitamin den Insulinbedarf reduzieren und somit zu Unterzuckerungen führen kann. Darüber hinaus wird Tocopherol ergänzend zur Behandlung von Anämie (Blutarmut) sowie von Verbrennungen und Verletzungen oder zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt. Vitamin-E-Nahrungsergänzungsmittel können in vielen Bereichen präventiv eingesetzt werden, wo oxidativer Stress den Körper schädigt – etwa bei den Folgeerkrankungen von Diabetes, neurologischen Störungen (Parkinson) oder bei Hauterkrankungen und -pflege. Über Dosierung und Dauer der Anwendung berät der Arzt oder Apotheker.

Überversorgung mit Tocopherol

Eine Überversorgung mit Tocopherol tritt nur selten bei einer dauerhaften, hochdosierten Aufnahme von Vitamin-E-Präparaten auf. Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten Tocopherol nicht ohne Absprache mit ihrem Arzt einnehmen, da eine tägliche Gabe über 800 mg die Blutungszeit verlängern kann.

Quellen:

Lothar Burgerstein: Handbuch Nährstoffe. Vorbeugen und heilen durch ausgewogene Ernährung: Alles über Spurenelemente, Vitamine und Mineralstoffe. 10. Aufl. Stuttgart 2010, S. 83–85.

Paul Mohr: Gesund durch Nahrungsmittel. So wirkt orthomolekulare Medizin. 3. Aufl. Zürich: Oesch Verlag, S. 175-179.

Quelle: Julia Schmidt
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