Brustkrebs

Häufigkeit (sehr verbreitet)


chronische Erkrankungen: > 10%
akute Erkrankungen: > 25%

Brustkrebs (Mammakarzinom): Bösartiger Tumor der Brust. In Deutschland erkrankt jede 8. Frau im Lauf ihres Lebens daran; mit fast 75.000 Neuerkrankungen und 25 % aller bösartigen Tumoren ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Vor dem 30. Lebensjahr tritt Brustkrebs nur sehr selten auf, 75 % aller Neuerkrankungen betreffen Frauen nach dem 50. Lebensjahr. Auch Männer können Brustkrebs bekommen, das macht aber weniger als 1 % aller Fälle aus. Die Prognose von Brustkrebs hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Wird der Tumor früh erkannt und behandelt, sind die Heilungschancen in vielen Fällen sehr gut.

Symptome und Leitbeschwerden

Frühe Brustkrebserkrankungen verursachen häufig keine Beschwerden. Viele Tumoren werden deshalb im Rahmen des Mammografie-Screenings entdeckt.

Mögliche Symptome sind:

  • Neu tastbarer, derber und meist schmerzloser Knoten in der Brust oder Achselhöhle
  • Einziehung der Haut oder der Brustwarze
  • Veränderungen der Brustform oder -größe auf einer Seite
  • Rötung, Schwellung oder Orangenhaut der Brust
  • Entzündliche oder schuppende Veränderungen der Brustwarze oder des Warzenhofs
  • Spontane, insbesondere blutige Sekretion aus einer Brustwarze
  • Neu aufgetretene Vergrößerung von Lymphknoten in der Achselhöhle.

2314_GTV_Befunde_Brustkrebs.png|Mögliche Symptome und Befunde beim Brustkrebs: Tastbarer, unscharf begrenzter Tumor (a), neu auftretende Asymmetrie der Brüste (b), Plateauphänomen, d. h. die Haut zieht sich beim Zusammenschieben über dem getasteten Tumor ein (c), Orangenhaut, d. h. schrumpelige Haut über dem Tumor (d), eingezogene Brustwarzen (e). |[GTV 2314]|Schematische Darstellung möglicher Symptome bei Brustkrebs

Wann in die Frauenarztpraxis

In den nächsten beiden Tagen, wenn

  • ein Knoten in der Brust getastet wird.
  • blutiges Sekret aus der Brustwarze austritt.
  • Veränderungen der Brust wie Dellen, Vorwölbungen und Entzündungen entdeckt werden.

Die Erkrankung

Ursachen

Brustkrebs entsteht, wenn sich Brustzellen aufgrund genetischer Veränderungen unkontrolliert vermehren. Etwa 5–10 % aller Brustkrebserkrankungen beruhen auf einer erblichen genetischen Veranlagung (z. B. BRCA1- oder BRCA2-Mutationen). Die meisten Erkrankungen entwickeln sich jedoch sporadisch. Dabei wirken zahlreiche Risikofaktoren zusammen, ohne dass sich im Einzelfall eine eindeutige Ursache benennen lässt.

Risikofaktoren

Zu den gesicherten Risikofaktoren gehören:

  • Höheres Lebensalter (wichtigster Risikofaktor)
  • Hohe Brustdichte in der Mammografie
  • Genetische Prädisposition (BRCA1, BRCA2, PALB2 u. a.)
  • Langjährige kombinierte Hormonersatztherapie mit Östrogen und Gestagen nach den Wechseljahren 
  • Frühe erste Menstruation sowie späte Wechseljahre = viele Menstruationszyklen im Laufe des fruchtbaren Lebensabschnitts
  • Kinderlosigkeit oder erste Schwangerschaft nach dem 30. Lebensjahr, fehlendes oder kurzes Stillen
  • Starkes Übergewicht und Bewegungsmangel (besonders nach den Wechseljahren)
  • Regelmäßiger Konsum von Alkohol, selbst bei geringen Mengen
  • Rauchen
  • Mastopathie Grad II oder III
  • Krebserkrankung der anderen Brust 
  • Brustkrebs bei der Mutter oder Schwester
  • Strahlentherapie des Brustkorbs im Kindes- oder Jugendalter.

Verlauf und Einteilung

Brustkrebs entwickelt sich meist schrittweise. Zunächst können sich genetisch veränderte Zellen bilden, die noch auf ihren Ursprungsort begrenzt sind. Beim duktalen Carcinoma in situ (DCIS) befinden sich diese Zellen noch innerhalb der Milchgänge und haben die Begrenzung zum umliegenden Gewebe nicht durchbrochen. Es handelt sich um eine nicht invasive Form des Brustkrebses. Veränderungen der Drüsenläppchen werden als lobuläre Neoplasien (LCIS ) bezeichnet. Das LCIS gilt heute vor allem als Risikomarker für ein späteres invasives Mammakarzinom.
Beginnt der Tumor zu wachsen und durchdringt er den befallenen Milchgang oder das befallene Brustdrüsenläppchen, spricht man von invasivem Tumorwachstum. Ohne Behandlung breitet er sich über die Lymphbahnen in die benachbarten Lymphknoten aus (lymphogene Metastasierung) oder über die Blutbahn in den ganzen Körper (hämatogene Metastasierung). Es folgen Metastasen (Tochtergeschwülste) in Lunge, Gehirn, Leber oder Wirbelsäulen- und Beckenknochen.

Einteilung und Formen

Histologie. Die Tumorart lässt sich in der feingeweblichen Analyse feststellen: Die häufigste Form ist das invasive Karzinom ohne spezielle Differenzierung (NST). Ohne spezielle Differenzierung heißt, dass der Tumor keine speziellen Sondermerkmale wie z. B. Schleimbildung aufweist. Diese Tumoren machen etwa drei Viertel aller invasiven Mammakarzinome aus. Bei etwa 10–15 % der Fälle handelt es sich um invasive lobuläre Karzinome. Diese Sonderform entsteht aus den Drüsenläppchen und wächst in das umliegende Gewebe ein.

Die Mehrzahl der Brustkrebse scheint dort zu entstehen, wo Milchgang und Drüsenläppchen ineinander übergehen (duktulo-lobuläre Einheit, TDLE). Die Zellen in dieser Region teilen sich sehr schnell und sind anfälliger für genetische Veränderungen, die zu Krebswachstum führen. Einige seltene histologische Subtypen wie das tubuläre oder das klassische muzinöse Karzinom sind mit einer besonders günstigen Prognose verbunden.

Anatomie. Das anatomische Stadium wird anhand von Tumorausdehnung, Lymphknotenbefall und Fernmetastasen nach der TNM-Klassifikation bestimmt.Dabei steht „T“ für die Ausdehnung des Ursprungstumors, „N“ bedeutet Nodus (= Lymphknoten). Der dritte Buchstabe „M“ steht für (Fern-)Metastasen. Vereinfacht sieht die Einteilung folgendermaßen aus:

  • T0 = Kein Tumor in der Brust nachweisbar
  • T1 = Der Tumor ist < 2 cm
  • T2 = Der Tumor ist > 2 cm, aber < 5 cm
  • T3 = Der Tumor ist > 5 cm
  • T4 = Der Tumor ist unabhängig von seiner Größe bereits über das Brustgewebe hinaus in Brustwand oder Haut eingewachsen
  • N0 = Kein Lymphknotenbefall nachweisbar
  • N1 = Nachweis von gering- bis mittelgradigen Metastasen in beweglichen Lymphknoten in der Achselhöhle
  • N2 = Nachweis von entweder mit anderen Stukturen verwachsenen Metastasen der Lymphknoten in der Achselhöhle oder Metastasen entlang des Blutgefäßes (Arteria mammaria interna)
  • N3 = Nachweis von (höhergradigen) Metastasen in Lymphknoten über/unter des Schlüsselbeins oder entlang der Arteria mammaria interna plus den Achsellymphknoten
  • M0 = Keine Fernmetastasen nachweisbar
  • M1 = Nachweis von Fernmetastasen

Sonderformen

Eine Sonderform des Brustkrebses ist das Paget-Karzinom. Hier liegt der Tumor in der Nähe der Brustwarze, sodass einzelne Tumorzellen bis in die Gewebeschichten der Brustwarze und des Warzenhofs gelangen. Dort lösen sie dann eine entzündliche, juckende Hautveränderung (Ekzem) aus. Ist die Erkrankung lokal begrenzt, ist eine brusterhaltende Operation möglich. Ausgedehnte Befunde erfordern dagegen meist eine Entfernung der Brust (Mastektomie).

Eine andere Sonderform ist das inflammatorische Mammakarzinom. Es zeigt sich durch eine gerötete, überwärmte und schmerzende Brustregion und lässt sich nur schwer von einer Brustentzündung unterscheiden.

Diagnosesicherung

2317_GTVLBW_Stanzbiopsie_Brust_Mammotom.jpg|Links: Hochgeschwindigkeits-Stanzgerät zur Gewinnung von Stanzbiopsien der Brust. Das Gerät bringt bei verhältnismäßig geringen Komplikationen die besten Gewebezylinder, was für eine korrekte Diagnose wesentlich ist. Die Biopsie nimmt der Arzt unter Ultraschallkontrolle vor. Rechts: Mammotom; die Patientin liegt dabei auf dem Bauch auf einem Untersuchungstisch.|[GTVL 2317]|Gerätschaften zur Diagnostik auf Brustkrebs: Stanzgerät und Mammotom

Anamnese. Im ausführlichen Gespräch mit der Patientin erfragt die Ärzt*in wichtige Informationen, die bei der Diagnosestellung helfen. Dazu gehören etwaige Beschwerden und Symptome, aber auch Grunderkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus sowie bestehende Krebserkrankungen in der Familie.

Palpation. In vielen Fällen findet die Ärzt*in schon bei der Tastuntersuchung (Palpation) Hinweise darauf, ob ein getasteter Knoten krebsverdächtig ist oder nicht. Sie schaut und fühlt nach Schwellungen, Rötungen, Entzündungen und Formveränderungen der Brust und der Brustwarze. Außerdem untersucht sie die Bereiche um das Schlüssel- und Brustbein sowie die Achselhöhlen.

Blut- und Urinuntersuchung. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen an, ob Niere, Leber und andere Organsysteme funktionieren.

Bildgebende Verfahren

Mammografie. Bei dieser Untersuchung werden beide Brüste nacheinander zwischen jeweils zwei Platten gepresst, um auch die im Inneren der Brust liegenden Strukturen genau darzustellen. Das Zusammenpressen ist nicht schmerzhaft, aber unangenehm. Die Ärzt*in benötigt von jeder Brust jeweils eine Aufnahme von oben und eine von der Seite. Je nach Befund sind noch weitere Aufnahmen notwendig. In den Mammografie-Aufnahmen sind besonders gut die kleinen Kalkansammlungen (Mikrokalk) zu erkennen, die schon in frühen Stadien einer Brustkrebserkrankung auftreten und nicht zu ertasten sind. Daneben lässt sich die Form von Gewebeveränderungen sowie deren Ausdehnung in benachbarte Gewebe beurteilen.

Brustultraschall. Der Ultraschall ist eine wichtige Ergänzung zur Mammografie, insbesondere bei dichtem Brustgewebe oder unklaren Befunden. Als alleinige Früherkennungsuntersuchung ist er nicht geeignet. Ergänzend kann die Elastografie zum Einsatz kommen. Mit dieser speziellen Ultraschalltechnik wird die Steifigkeit des Brustgewebes gemessen, wodurch sich Gewebeveränderungen besser einschätzen lassen.

MRT. Die Brust-MRT ist eine sehr empfindliche Untersuchungsmethode, die ohne Röntgenstrahlung auskommt. Sie wird nicht routinemäßig bei allen Frauen eingesetzt, sondern vor allem bei denjenigen mit deutlich erhöhtem Brustkrebsrisiko, bei unklaren Befunden oder zur genaueren Beurteilung eines bereits bekannten Tumors. Ein Nachteil ist, dass sie häufiger zu auffälligen Befunden führt, die sich später als harmlos erweisen. Außerdem stellt sie 23z73(Mikrokalk, der bei Brustkrebs eine wichtige Rolle spielen kann, schlechter dar als die Mammografie.

2316_GTV_Brustkrebs_Kernspin.jpg|Brustkrebs im Kernspin. Der Befund im linken Bild legt den Verdacht auf einen bösartigen Tumor nahe (Pfeil). Im rechten Bild hebt sich der Kontrastmittel anreichernde Tumor eindeutig vom restlichen Brustdrüsengewebe ab und bestätigt den Verdacht auf Brustkrebs. |[GTV 2316]|Brustkrebs im Kernspinbild

Galaktografie. Sondert einer der Milchgänge blutiges oder bräunliches Sekret ab, macht die Ärzt*in diese sehr feinen Gänge während der Mammografie sichtbar. Dazu spritzt sie über eine Sonde Kontrastmittel in den Milchgang und seine Verästelungen (Galaktografie). Trifft die helle Flüssigkeit auf ein Hindernis, z. B. einen Tumor, strömt sie seitlich vorbei; verschließt der Tumor den ganzen Milchgang, ist die Kontrastmittelströmung "unterbrochen".

Duktoskopie. Bei der Milchgangspiegelung (Duktuskopie) schiebt die Ärzt*in ein dünnes Endoskop von maximal 1 mm Durchmesser mit Lichtquelle und einer Kochsalzlösung in den Milchgang. Während die Salzlösung den Milchgang durchspült, lässt sich auf einem Bildschirm der Verlauf des Ganges und seiner Abzweigungen verfolgen. Auffälligkeiten werden mit einem dünnen Drähtchen markiert. Die Patientin erhält während der Untersuchung eine Kurznarkose.

Ultraschall, Röntgen und/oder CT. Bei der Diagnose Brustkrebs wird zusätzlich geprüft, ob sich der Tumor auch in der anderen Brust oder an einer anderen Stelle im Körper ausgebreitet hat. Bei der nicht betroffenen Brust wird eine Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung gemacht, der Brustkorb wird ebenfalls geröntgt. Die Leber wird entweder mit einem Ultraschall oder mittels CT untersucht.

Bestimmung der Tumorbiologie

Zur Analyse der biologischen Eigenschaften des Tumors werden Gewebeproben aus der Brust oder dem Operationspräparat im Labor feingeweblich und immunhistochemisch untersucht. Ziel ist, den Hormonrezeptorstatus, den HER2-Status, die Zellteilungsrate (Ki-67) und weitere Merkmale der Tumorzellen zu bestimmen. In einigen Situationen können ergänzende molekulare Tests (Genexpressionstests) sinnvoll sein, um beispielsweise den voraussichtlichen Nutzen einer zusätzlichen Chemotherapie besser einzuschätzen.

Gentest

Der Sinn eines Gentests bei Brustkrebs besteht nicht darin, den Brustkrebs selbst zu diagnostizieren. Stattdessen will man herausfinden, ob eine vererbte genetische Veränderung vorliegt, die das Risiko für Brust- und/oder Eierstockkrebs erhöht. Dies ist bei etwa 5–10 % aller Brustkrebserkrankungen der Fall, die bekanntesten Gene sind BRCA1 und BRCA2. Auch Veränderungen in anderen Genen wie PALB2, RAD51C oder RAD51D können das Risiko für Brust- oder Eierstockkrebs steigern.

Eine genetische Untersuchung auf vererbte Brustkrebs-Risikogene wird allerdings nicht für alle Frauen empfohlen, sondern vor allem bei Hinweisen auf eine familiäre Belastung. Dazu gehören zum Beispiel:

  • mehrere nahe Verwandte mit Brustkrebs, besonders wenn die Erkrankungen in jungen Jahren aufgetreten sind
  • Brustkrebs bei einer Frau vor dem 36. Lebensjahr
  • Brustkrebs in beiden Brüsten
  • eine Kombination aus Brust- und Eierstockkrebs in der Familie
  • mehrere Fälle von Eierstockkrebs
  • Brustkrebs bei einem Mann in der Familie.

Ob tatsächlich ein Gentest durchgeführt wird, entscheidet ein spezialisiertes Zentrum nach einer ausführlichen Beratung und Bewertung der persönlichen Familiengeschichte.

Die Gentests haben aber auch eine Kehrseite. Ein positives Testergebnis kann belastend sein. Andererseits ermöglicht es eine individuell angepasste Vorsorge und gegebenenfalls risikoreduzierende Maßnahmen. Ein negatives Ergebnis schließt ein Brustkrebsrisiko nicht aus, da die meisten Brustkrebserkrankungen nicht durch bekannte Hochrisikogene verursacht werden.

Differenzialdiagnosen. Knoten, Hautveränderungen an der Brust oder brustkrebsähnliche Veränderungen in der Mammografie kommen auch bei vielen anderen Brusterkrankungen vor. Abzugrenzen sind insbesondere Fibroadenome und Lipome, Brustzysten oder entzündliche Veränderungen und die Mastopathie. Seltenere bösartige Differenzialdiagnosen sind Lymphome und Sarkome der Brust sowie Metastasen anderer Tumorerkrankungen.

Behandlung

Die Behandlung von Brustkrebs richtet sich heute nach der Tumorbiologie, dem Erkrankungsstadium, dem Alter, Begleiterkrankungen und den Wünschen der Patientin. Die Therapie erfolgt interdisziplinär in zertifizierten Brustzentren, zum Einsatz kommen operative Verfahren, die Bestrahlung sowie systemische Therapien (Antihormontherapie, Chemotherapie, Immuntherapie und zielgerichtete Therapien).

Operative Behandlung

Die Operation ist bei den meisten Patientinnen ein wichtiger Bestandteil der Brustkrebsbehandlung. Je nach Tumorart und Krankheitsstadium erfolgt sie entweder direkt oder nach einer medikamentösen Vorbehandlung (neoadjuvante Therapie). Gleichzeitig wird untersucht, ob Krebszellen die Achsellymphknoten erreicht haben. Dafür reicht heute häufig die Entnahme eines oder weniger sogenannter Wächterlymphknoten aus; eine vollständige Entfernung der Achsellymphknoten ist nur noch in bestimmten Fällen notwendig.

Ist ein Tumor in der Brust nicht tastbar, muss seine Lage vor der Operation genau markiert werden. Häufig geschieht dies noch mit einer sogenannten Drahtmarkierung: Dabei wird unter örtlicher Betäubung mithilfe einer dünnen Hohlnadel ein feiner Draht bis zum Tumor vorgeschoben. Die Platzierung erfolgt unter Ultraschall- oder Mammografiekontrolle und dauert in der Regel nur wenige Minuten. Der Draht dient dem Operateur als Orientierung, damit das betroffene Gewebe gezielt entfernt werden kann. In vielen Brustzentren kommen inzwischen zunehmend auch drahtlose Markierungssysteme, etwa magnetische oder radarbasierte Marker, zum Einsatz.

Brusterhaltende Operation. Bei den meisten Patientinnen mit Brustkrebs kann man heute die Brust erhalten. Voraussetzung ist, dass sich der Tumor vollständig mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand entfernen lässt und anschließend ein kosmetisch zufriedenstellendes Ergebnis zu erwarten ist. Häufig wird der Tumor zunächst durch eine medikamentöse Vorbehandlung verkleinert, sodass eine brusterhaltende Operation überhaupt erst möglich wird.

Trotz Brusterhalt kann sich die Form der Brust verändern. Um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen, kommen oft onkoplastische Operationsverfahren zum Einsatz. Dabei wird das verbleibende Brustgewebe während derselben Operation so umgeformt, dass Form und Symmetrie der Brust möglichst erhalten bleiben. In manchen Fällen wird hierfür zusätzlich eine plastische Chirurg*in hinzugezogen.

Mastektomie. Ist eine brusterhaltende Operation nicht möglich oder nicht gewünscht, kann die gesamte Brust entfernt werden (Mastektomie). Dies ist beispielsweise erforderlich, wenn

  • der Tumor im Verhältnis zur Brust sehr groß ist
  • mehrere Tumorherde in verschiedenen Bereichen der Brust vorliegen
  • ein entzündlicher Brustkrebs besteht
  • andere medizinische Gründe gegen eine Brusterhaltung sprechen oder
  • die Patientin dies ausdrücklich wünscht.

Frauen mit einer nachgewiesenen krankheitsverursachenden Mutation der Gene BRCA1 oder BRCA2 haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Nach ausführlicher genetischer Beratung kann daher eine risikoreduzierende beidseitige Mastektomie in Betracht gezogen werden. Sie senkt das Risiko für Brustkrebs um etwa 90 bis 95 %, schließt es jedoch nicht vollständig aus.

Untersuchung der Achsellymphknoten. Ob Brustkrebszellen bereits in die Achsellymphknoten gelangt sind, ist für die Stadieneinteilung, Prognoseabschätzung und Therapieplanung wichtig. Im Gegensatz zu früher entfernt man heute bei Patientinnen mit klinisch unauffälligen Achsellymphknoten in der Regel nicht alle Lymphknoten, sondern untersucht zunächst die sogenannten Wächterlymphknoten (Sentinellymphknoten). Dazu bringt man in der Nähe des Tumors einen Farbstoff und/oder einen schwach radioaktiven Marker ein. Dadurch lässt sich der erste Lymphknoten im Abflussgebiet (der sogenannte "Wächter") der Brust darstellen. Dieser wird gezielt entfernt und anschließend feingeweblich untersucht.

Ist der Wächterlymphknoten tumorfrei (nodalnegativer Befund), sind in der Regel keine weiteren Lymphknotenoperationen erforderlich. Werden Krebszellen gefunden (nodalpositiver Befund), bedeutet dies einen Befall regionaler Lymphknoten. Ob weitere Lymphknoten entfernt werden müssen, hängt von der individuellen Situation ab und ist heute nicht mehr automatisch erforderlich.

Der Lymphknotenstatus ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Faktor für die weitere Therapieplanung. Die Entscheidung über die medikamentöse Behandlung richtet sich nach der gesamten Tumorbiologie und nicht allein nach dem Lymphknotenbefall.

Mögliche Komplikationen und Nebenwirkungen der Operation. Wie bei jedem chirurgischen Eingriff können nach einer Brustkrebsoperation Wundheilungsstörungen, Blutergüsse, Nachblutungen, Infektionen oder Flüssigkeitsansammlungen (Serome) auftreten. Vorübergehend kann es zu Schmerzen, Spannungsgefühlen, Schwellungen oder einem veränderten Empfinden im Operationsgebiet kommen.

Bei der Entfernung von Achsellymphknoten können Lymphabflusswege so geschädigt werden, dass die Lymphflüssigkeit nicht mehr ausreichend abtransportiert wird. Es entwickelt sich ein Lymphödem, bei dem Arm, Hand oder Brust anschwellen. Außerdem können Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Bewegungseinschränkungen der Schulter durch eine Beeinträchtigung kleiner Nerven oder durch Narbenbildung auftreten.

Brustrekonstruktion nach Mastektomie. Nach einer Brustentfernung besteht häufig die Möglichkeit eines Brustwiederaufbaus. Dieser kann entweder direkt während der Mastektomie (sofortige Brustrekonstruktion) oder zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Für den Wiederaufbau stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung: Brustimplantate oder körpereigenes Gewebe, beispielsweise aus Bauch, Rücken oder Oberschenkel.

Für Brustimplantate verwendet man heute überwiegend Silikon. Moderne Implantate sind gut untersucht und gelten als sicher, können aber mit Risiken verbunden sein, etwa einer Kapselfibrose, Implantatveränderungen oder seltenen implantatassoziierten Erkrankungen. Silikonimplantate werden häufig bevorzugt, weil sie sich meist natürlicher anfühlen und eine bessere Formstabilität aufweisen.

Alternativ können äußere Brustprothesen getragen werden. Sie werden in speziellen BHs befestigt und sind über Sanitätshäuser erhältlich.

Die Kosten für eine medizinisch notwendige Brustrekonstruktion oder eine Brustprothese werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Brustkrebsbehandlung. Sie zerstört verbliebene Krebszellen im Operationsgebiet und senkt das Risiko, dass der Tumor an derselben Stelle erneut auftritt. Es gibt verschiedene Formen der Bestrahlung:

  • Bestrahlung nach der Operation. Nach einer brusterhaltenden Operation wird die betroffene Brust in der Regel anschließend bestrahlt. Bei einer Mastektomie ist eine Bestrahlung nicht immer erforderlich, sondern vor allem bei erhöhtem Rückfallrisiko, beispielsweise bei großen Tumoren, Lymphknotenbefall oder anderen ungünstigen Faktoren.
  • Intraoperative Bestrahlung. Bei der intraoperativen Bestrahlung wird das Tumorbett bereits während der Operation bestrahlt. Sie ist nur für wenige Patientinnen geeignet, z. B. bei sehr kleinem, früh entdecktem Tumor ohne Lymphknotenbefall.
  • Teilbrustbestrahlung. Bei ausgewählten Patientinnen mit niedrigem Rückfallrisiko kann eine verkürzte Bestrahlung der Tumorregion (Teilbrustbestrahlung) ausreichend sein.
  • Bestrahlung vor der Operation. Eine präoperative Bestrahlung spielt beim Brustkrebs nur noch eine untergeordnete Rolle und wird nur in besonderen Situationen eingesetzt. Stattdessen erfolgt bei lokal fortgeschrittenen Tumoren meist eine medikamentöse Vorbehandlung (neoadjuvante Therapie).
  • Palliative Bestrahlung. Bei nicht heilbar fortgeschrittenem Brustkrebs kann eine Bestrahlung Beschwerden lindern und das Wachstum einzelner Tumorherde kontrollieren. Sie wird beispielsweise bei schmerzhaften Knochenmetastasen, Hirnmetastasen oder belastenden Tumoren in der Brustregion eingesetzt.

Komplikationen einer Strahlentherapie: Häufig sind vorübergehende Hautreaktionen wie Rötungen, Trockenheit, Juckreiz oder eine sonnenbrandähnliche Reizung der Haut sowie Müdigkeit (Fatigue), Spannungsgefühl oder Schwellungen der Brust. Auch Durchfall und/oder Reizdarmbeschwerden können auftreten. Die Beschwerden klingen meist nach Abschluss der Behandlung wieder ab.

Mögliche Spätfolgen sind eine Verhärtung oder Verkleinerung der Brust, Veränderungen der Haut und des Unterhautgewebes, anhaltende Schwellungen oder selten auch Bewegungseinschränkungen im Schulterbereich. Die Bestrahlung von Lymphabflusswegen erhöht das Risiko für ein Lymphödem. Sehr selten treten Schäden an benachbarten Organen wie Herz oder Lunge auf; moderne Bestrahlungstechniken reduzieren dieses Risiko deutlich. Zudem kann eine Strahlentherapie langfristig das Risiko für einen zweiten Tumor im Bestrahlungsgebiet geringfügig erhöhen.

Chemotherapie

Ziel einer Chemotherapie ist es, Krebszellen zu zerstören oder ihre Vermehrung zu hemmen. Da die Medikamente vor allem schnell wachsende Zellen angreifen, können auch gesunde Gewebe wie Haarwurzeln, Schleimhäute oder das Knochenmark betroffen sein.

Eine Chemotherapie ist heute nicht bei allen Patientinnen mit Brustkrebs erforderlich. Ob sie eingesetzt wird, hängt insbesondere von Tumorgröße, Krankheitsstadium, Hormonrezeptor- und HER2-Status sowie weiteren biologischen Eigenschaften des Tumors ab.

Wenn eine Chemotherapie notwendig ist, wird sie meist in mehreren Zyklen verabreicht. Häufig kommen Kombinationen aus verschiedenen Wirkstoffen zum Einsatz, beispielsweise Anthrazykline und Taxane. Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant in onkologischen Praxen oder Tageskliniken.

Häufige Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind Müdigkeit, Übelkeit, Haarausfall, Schleimhautbeschwerden sowie Veränderungen des Blutbildes mit erhöhter Infektionsanfälligkeit; außerdem können je nach Wirkstoff Nervenschäden oder selten Organschäden auftreten. Manchmal halten die Beschwerden nach der Therapie auch länger an, typisch dafür sind Fatigue (anhaltende Erschöpfung), Konzentrations- und Gedächtnisprobleme und Nervenschäden mit Kribbeln oder Taubheitsgefühlen an Händen und Füßen.

Neoadjuvante Therapie. In bestimmten Situationen wird die Chemotherapie bereits vor der Operation durchgeführt (neoadjuvante Chemotherapie:). Dies kann den Tumor verkleinern und dadurch eine brusterhaltende Operation überhaupt erst ermöglichen. Besonders häufig wird eine neoadjuvante Therapie bei HER2-positivem oder triple-negativem Brustkrebs sowie bei größeren oder lokal fortgeschrittenen Tumoren eingesetzt.

Endokrine Therapie (Antihormontherapie)

Viele Brustkrebszellen benötigen weibliche Geschlechtshormone wie Östrogen für ihr Wachstum. Bei sogenannten hormonrezeptorpositiven Tumoren (ER+ und/oder PR+) wird deshalb eine endokrine Therapie eingesetzt. Sie blockiert die Wirkung von Hormonen oder senkt deren Bildung und hemmt dadurch das Wachstum von Krebszellen.

Ob ein Tumor hormonempfindlich ist, wird anhand einer feingeweblichen Untersuchung bestimmt. Dabei werden vor allem die Hormonrezeptoren für Östrogen (ER) und Progesteron (PR) untersucht. Ein positives Ergebnis kann wichtige Hinweise für die Auswahl der weiteren Behandlung geben.

Bei Frauen vor den Wechseljahren wird häufig Tamoxifen verwendet, gegebenenfalls kombiniert mit einer Unterdrückung der Eierstockfunktion. Nach den Wechseljahren kommen vor allem Aromatasehemmer wie Letrozol, Anastrozol oder Exemestan zum Einsatz. Bei fortgeschrittenem Brustkrebs sind weitere Medikamente wie Fulvestrant oder sogenannte CDK4/6-Hemmer (z. B. Palbociclib, Ribociclib oder Abemaciclib) kombiniert mit einer endokrinen Therapie eine Option.

Zu den typischen Nebenwirkungen einer endokrinen Therapie gehören Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie – insbesondere unter Aromatasehemmern – ein erhöhtes Risiko für Knochenschwund (Osteoporose). Insbesondere unter Tamoxifen erhöht sich das Risiko für Blutgerinnsel und Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut.

Antikörpertherapie (zielgerichtete Therapien)

Manche Brustkrebszellen tragen bestimmte Eiweißstrukturen auf ihrer Oberfläche, die ihr Wachstum fördern. Diese Strukturen können mit speziell hergestellten monoklonalen Antikörpern gezielt angegriffen werden – weshalb man auch von einer zielgerichteten Therapie (Targeted Therapy) spricht.

Eine besondere Bedeutung hat die HER2-gerichtete Therapie. Bei etwa 15 bis 20 % der Brustkrebserkrankungen ist der Wachstumsrezeptor HER2 verstärkt vorhanden. Der Antikörper Trastuzumab bindet an diesen Rezeptor und hemmt dadurch Wachstumssignale der Krebszellen. Zusätzlich unterstützt er das Immunsystem dabei, Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen.

Trastuzumab ist heute ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von HER2-positivem Brustkrebs – sowohl im frühen Stadium zur Senkung des Rückfallrisikos als auch bei fortgeschrittener Erkrankung. Je nach Krankheitsstadium und individueller Situation kann es mit weiteren HER2-gerichteten Medikamenten wie Pertuzumab oder Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten wie Trastuzumab-Deruxtecan oder Trastuzumab-Emtansin kombiniert werden. Bei diesen Konjugaten sind ein Antikörper und ein Zellgift miteinander kombiniert. Nachdem der Antikörper sich an die Tumorzelle gebunden hat, nimmt diese den gesamten Komplex auf. Das Zellgift zerstört die DNA der Krebszelle oder hemmt deren Teilung. Auf diese Weise wirkt die Chemotherapie gezielter an der Tumorzelle und gesundes Gewebe wird im Vergleich zur klassischen Chemotherapie etwas weniger stark belastet.

Die Nebenwirkungen von zielgerichteten Therapien hängen vom jeweiligen Wirkstoff ab. Sie können unter anderem Herzfunktionsstörungen (z. B. bei HER2-Antikörpern), Blutbildveränderungen, Durchfall, Müdigkeit oder selten Lungenentzündungen umfassen.

Immuntherapie

Die Immuntherapie nutzt die Fähigkeit des körpereigenen Immunsystems, Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen. Bei Brustkrebs spielen vor allem sogenannte Immun-Checkpoint-Inhibitoren eine Rolle. Diese Medikamente lösen eine "Bremse" des Immunsystems, die Tumorzellen nutzen, um der Abwehr zu entgehen.

Die Immuntherapie kommt nur bei bestimmten Tumoreigenschaften und Krankheitsstadien infrage. Ob sie geeignet ist, wird anhand der Tumorbiologie und weiterer feingeweblicher Untersuchungen entschieden.

Eine wichtige Bedeutung hat die Immuntherapie insbesondere beim triple-negativen Brustkrebs (TNBC), da diese Tumoren häufiger immunologisch aktiv sind. Der Checkpoint-Hemmer Pembrolizumab kann bei ausgewählten Patientinnen mit frühem TNBC in Kombination mit einer neoadjuvanten Chemotherapie vor der Operation und anschließend als Weiterbehandlung nach dem Eingriff eingesetzt werden. Auch beim metastasierten triple-negativen Brustkrebs ist Pembrolizumab in Kombination mit einer Chemotherapie bei geeigneten Patientinnen eine Option, insbesondere wenn bestimmte Voraussetzungen wie eine PD-L1-Expression des Tumors erfüllt sind.

Durch die Aktivierung des Immunsystems können als Nebenwirkungen Entzündungsreaktionen in verschiedenen Organen entstehen, beispielsweise an Haut, Darm, Schilddrüse, Leber oder Lunge.

Psychoonkologische Betreuung

Eine Krebsdiagnose stellt für viele Betroffene und ihre Angehörigen eine große psychische Belastung dar. Deshalb sollte allen Patientinnen eine psychoonkologische Unterstützung angeboten werden, insbesondere wenn Ängste, Sorgen oder Schwierigkeiten bei der Krankheitsbewältigung auftreten.

Psychoonkologische Fachkräfte unterstützen während der gesamten Erkrankung – von der Diagnose über die Behandlung bis zur Nachsorge. Dabei können Fragen zur Erkrankung und Therapie, Belastungen im Alltag und Beruf, der Umgang mit Ängsten sowie familiäre oder partnerschaftliche Probleme besprochen werden. Auch Angehörige können Beratung und Unterstützung erhalten.

Psychoonkologische Angebote werden vor allem von Psycholog*innen sowie ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeut*innen mit spezieller Weiterbildung durchgeführt. Sie sind Teil eines multiprofessionellen Behandlungsteams und können stationär, ambulant oder über Krebsberatungsstellen in Anspruch genommen werden.

Nachsorge

Die Nachsorge nach Brustkrebs dient dazu, Rückfälle in der Brust oder der behandelten Region frühzeitig zu erkennen, Nebenwirkungen der Therapie zu behandeln und die Patientin langfristig zu begleiten. Besonders in den ersten Jahren nach der Diagnose sind regelmäßige Kontrolltermine wichtig; bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs besteht das Rückfallrisiko jedoch auch darüber hinaus.

Zur Nachsorge gehören regelmäßige Gespräche sowie eine körperliche Untersuchung der Brust beziehungsweise Operationsregion, der Achselhöhlen und der Arme. Dabei wird auch auf mögliche Folgen der Behandlung wie ein Lymphödem, Bewegungseinschränkungen oder therapiebedingte Beschwerden geachtet.

Ein wichtiger Bestandteil ist die regelmäßige Mammografie der verbliebenen Brust beziehungsweise der brusterhaltend operierten Brust. Weitere Untersuchungen wie Ultraschall, Röntgenaufnahmen oder andere bildgebende Verfahren werden nicht routinemäßig durchgeführt, sondern nur bei Beschwerden, auffälligen Befunden oder einem konkreten Verdacht auf ein Wiederauftreten der Erkrankung.

Auch die Beratung zu Bewegung, Ernährung, Knochengesundheit, psychischer Belastung und dem Umgang mit Langzeitfolgen gehört zur modernen Brustkrebsnachsorge.

Brustkrebstherapie beim Mann

Der Brustkrebs beim Mann wird grundsätzlich nach denselben Prinzipien behandelt wie bei der Frau. Aufgrund der meist kleinen Brustdrüse erfolgt jedoch häufiger eine Brustentfernung (Mastektomie) statt einer brusterhaltenden Operation. Je nach Tumoreigenschaften kommen wie bei Frauen Strahlen-, Chemo-, endokrine und zielgerichtete Therapien zum Einsatz. Da die meisten Brusttumoren beim Mann hormonrezeptorpositiv sind, spielt die Antihormontherapie mit Tamoxifen eine besonders wichtige Rolle.

Prognose

Die Überlebenschancen bei Brustkrebs haben sich durch Fortschritte in Früherkennung und Behandlung in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Heute überleben in Deutschland etwa 85 bis 90 % der Frauen mit Brustkrebs die ersten fünf Jahre nach der Diagnose; auch nach zehn Jahren lebt die Mehrheit der Patientinnen noch.

Patientinnen mit frühem Brustkrebs haben bei einer brusterhaltenden Operation mit anschließender Bestrahlung genauso gute Heilungschancen wie bei einer Brustentfernung. Sind keine Achsellymphknoten befallen und handelt es sich um einen biologisch günstigen Tumor, sind die Heilungschancen besonders gut.

Auch nach erfolgreicher Behandlung kann Brustkrebs in manchen Fällen nach vielen Jahren erneut auftreten (Spätrezidive). Besonders bei hormonrezeptorpositiven Tumoren besteht ein langfristiges Rückfallrisiko. Während örtliche Rückfälle häufig erneut mit dem Ziel einer Heilung behandelt werden können, ist metastasierter Brustkrebs in der Regel nicht heilbar. Moderne Therapien können die Erkrankung jedoch oft über lange Zeit kontrollieren und Beschwerden lindern.

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Was Sie selbst tun können

Die ersten Tage. Die Diagnose Brustkrebs ist ein tiefer Einschnitt im Leben einer Frau. Auch für Angehörige, Freunde und Bekannte ist die Diagnose meist ein Schock, der verarbeitet werden muss. Unterdrücken Sie Ihre Gefühle nicht – Verzweiflung, Wut, Trauer und die Angst vor einem Rückfall gehören zur Auseinandersetzung mit einer solchen Krankheit. Meist treten diese Gefühle phasenweise auf und verlieren auch wieder an Intensität. Allerdings berichten viele Frauen auch davon, dass sie die Angst nie wieder ganz verlassen hat, selbst nach erfolgreicher Therapie. Versuchen Sie herauszufinden, was für Ihr seelisches Gleichgewicht wesentlich ist und vermeiden Sie alles, was Sie aus dem Gleichgewicht bringt. Jede Frau wird hierfür ihren eigenen Weg finden.

Wahl des Therapiezentrums. Nach der Diagnose sollte die Behandlung in einem spezialisierten Brustzentrum geplant werden. Eine kurze Bedenkzeit und eine Zweitmeinung können sinnvoll sein, solange dadurch der Therapiebeginn nicht unnötig verzögert wird.

Die Deutsche Krebsgesellschaft will mit der Vergabe des Qualitätssiegels "Zertifiziertes Brustzentrum" dafür sorgen, dass Patientinnen sicher sein können, in dem zertifizierten Zentrum nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft behandelt zu werden. Ziel ist, die Versorgung bei Brustkrebserkrankung deutlich zu verbessern. Allerdings ist der Begriff "Brustzentrum" nicht geschützt und jede Klinik kann ihn verwenden, ohne dass er Aufschluss über die Qualität des Angebots gibt. Im Zweifelsfall lohnt es sich also nachzufragen, ob diese Bezeichnung von der Deutschen Krebsgesellschaft verliehen worden ist.

Ernährung. Eine ausgewogene Ernährung ist v. a. während der Chemotherapie wichtig. Sogenannte Krebsdiäten haben jedoch keinen nachgewiesenen Erfolg. Wer unter Übelkeit leidet und keinen Appetit hat, sollte versuchen, kleine Mahlzeiten zu essen und unbedingt zu trinken; am besten werden kleine Schlucke Tee oder stilles Wasser vertragen.

Nikotin. Rauchen verschlechtert die allgemeine Gesundheit und kann bei Brustkrebspatientinnen mit ungünstigeren Behandlungsergebnissen verbunden sein. Ein Rauchstopp lohnt sich daher jederzeit.

Bewegung. Grundsätzlich steigert Sport und jede aktive Lebensgestaltung das Wohlbefinden. Bewegung ohne Überforderung verbessert die Stimmung, stärkt das Selbstwert- und Körpergefühl und kann die Immunabwehr und Therapieverträglichkeit verbessern. Auch Krafttraining ist möglich und kann das Risiko für Lymphödeme reduzieren. Eine spezielle Schonung des Arms ist nicht notwendig. Bei bestehendem Lymphödem sollte das Training jedoch individuell mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.

Ruhe. Bei Erschöpfung und Müdigkeit sollten Sie auf Ihren Körper hören, sich nicht überfordern und notfalls auf Sport verzichten. Legen Sie im Alltag häufige Ruhepausen ein und üben Sie anstrengende Tätigkeiten lieber im Sitzen als im Stehen aus.

Entspannungsverfahren. Für tiefe körperliche und seelische Entspannung sorgen z. B. Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson und Autogenes Training, aber auch Yoga, Achtsamkeitstraining, Tai Chi oder Qigong sowie Meditation. Darüber hinaus verbessern sie – regelmäßig angewendet – das Körpergefühl und fördern psychische Ausgeglichenheit.

Haut, Haare, Körperpflege. Ihre Haut verträgt die Bestrahlung besser, wenn Sie bequeme Kleidung tragen, die weder reibt noch drückt. Gut vertragen werden Kleidungsstücke aus Baumwolle oder Seide. Während einer Strahlentherapie darf die Haut in der Regel vorsichtig mit lauwarmem Wasser gereinigt werden. Auf Reiben, aggressive Seifen oder alkoholhaltige Produkte sollte verzichtet werden. Als Schutz gegen Sonnenbestrahlung muss die sehr lichtempfindliche Haut im Bereich des Bestrahlungsfelds anfangs durch lichtundurchlässige Kleidung abgedeckt werden. Später können Sie Sonnenschutzpräparate mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden.

Der Haarausfall während und nach der Chemotherapie ist für viele Frauen ein schwer zu ertragendes Symbol der Krankheit. Manche Frauen schneiden sich ihre Haare schon vor der Chemotherapie kurz oder kommen mit Baseballkappen oder Tüchern zurecht. Andere kümmern sich möglichst früh um eine passende Perücke. Tatsächlich sollte man den Perückenkauf in die Zeit legen, in der man noch das eigene Haar hat. Dann ist es leichter, eine unauffällige, farblich zum Hauttyp passende Perücke zu finden. In der Zeit des stärksten Haarausfalls schlafen manche Frauen mit Stretchturbanen (in Drogerien erhältlich), damit die ausgefallenen Haare nicht mühsam vom Kopfkissen aufgelesen werden müssen. Manche rasieren sich das Haar auch von vornherein ab, um den langsamen Haarverlust nicht erleben zu müssen. Die Haare beginnen häufig einige Wochen bis Monate nach Ende der Chemotherapie wieder zu wachsen.

Selbstwertgefühl erhalten. Eine Brustkrebsoperation bedeutet für viele Frauen auch eine Minderung des weiblichen Selbstwertgefühls. Denn viele Frauen fürchten, mit ihrer Brust auch einen Teil ihrer Weiblichkeit und sexuellen Anziehungskraft verloren zu haben. Offene Gespräche mit dem Partner oder der Partnerin sowie professionelle Beratung können helfen, Unsicherheiten und Ängste gemeinsam zu bewältigen.

Umgang mit Sexualität. Oft wird die Befürchtung, nach einer Brustamputation sexuell nicht mehr interessant zu sein, auf den Partner oder die Partnerin übertragen. Viele Frauen denken sogar, man könnte sich vor ihnen ekeln. Häufig haben allerdings die Männer und Frauen Angst, ihren Partnerinnen wehzutun. Auch hier verhindert ein offenes – auch professionell begleitetes – Gespräch Missverständnisse.

Auf Herzgesundheit achten. Viele Patientinnen überleben heute eine Brustkrebserkrankung. Da manche Brustkrebstherapien und gemeinsame Risikofaktoren Herz und Gefäße belasten können, ist es wichtig, Blutdruck, Gewicht, Blutzucker und Blutfette regelmäßig kontrollieren zu lassen und auf die Herzgesundheit zu achten. So können etwa Sport, gesunde Ernährung oder auch eine medikamentöse Therapie das Herz stärken. Patientinnen sollten mit ihrer Ärzt*in besprechen, was ihnen am besten hilft.

Komplementärmedizin

Alternativmedizinische Heilverfahren wie Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Ayurveda und Anthroposophie haben jeweils eigene Konzepte zur Tumortherapie.Auf Wunsch der Patientin können diese Behandlungen eingesetzt werden – allerdings ausschließlich ergänzend (= komplementär) zu den anerkannten onkologischen Standardtherapien.

Akupunktur kann zur Linderung der Begleitsymptome der Chemotherapie wie Übelkeit und Erbrechen beitragen. Auch gegen Schmerzen und Fatigue hilft sie möglicherweise. Auf den Krankheitsverlauf hat Akupunktur allerdings keinen Einfluss.

Mistelpräparate werden seit vielen Jahrzehnten in der Krebsmedizin eingesetzt. Ein Nutzen für die Heilung von Brustkrebs oder eine Verlängerung der Überlebenszeit konnte bisher nicht belegt werden. Einige Untersuchungen zeigen mögliche Verbesserungen der Lebensqualität oder bestimmter Beschwerden. Eine Anwendung sollte daher nur ergänzend und nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam erfolgen.

Prävention

Mammografie-Screening. Das deutsche Mammografie-Screening-Programm bietet Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren alle zwei Jahre eine kostenlose Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs an. Die Teilnahme ist freiwillig. Studien zeigen, dass das Screening die Wahrscheinlichkeit senken kann, an Brustkrebs zu sterben, da Tumoren häufig früher erkannt werden.

Wie jede Früherkennungsuntersuchung hat auch das Mammografie-Screening Grenzen. Nicht jeder Brustkrebs wird erkannt, insbesondere bei dichtem Brustgewebe kann die Aussagekraft eingeschränkt sein. Außerdem können auffällige Befunde entstehen, die sich bei weiteren Untersuchungen nicht als Krebs bestätigen. Nach aktueller Bewertung überwiegt bei Frauen der empfohlenen Altersgruppe jedoch der Nutzen der Früherkennung die möglichen Nachteile.

Weiterführende Informationen

  • www.brustkrebs.de –Internetseite des Vereins Brustkrebs e. V., Berlin: Fundierte und übersichtliche Informationen von Fachärzten mit weiterführenden Links zu Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen und guten Buchtipps.
  • www.frauenselbsthilfe.de – Internetseite der Frauenselbsthilfe nach Krebs e. V., Bonn: Weniger Fachinformationen, dafür sehr gute und praxisorientierte Selbsthilfebroschüre zum Bestellen und Herunterladen (Rubrik Infos) sowie Kontaktadressen der Landesverbände

Quellen:

Quelle: Dr. med. Astrid Waskowiak, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski (2026)
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